Tapeten 2026
– Fokus Hotel
Wunderbare Wände

Wenn alles Holz ist

Viel Holz gilt bei der Gestaltung von Hotels im Alpenraum traditionell als sichere Bank. Es steht für Wertigkeit, Wärme und Beständigkeit und verweist auf regionale Bautraditionen. Doch was als wohltuend gedacht ist, kann kippen – vor allem dann, wenn das Interieur zeitgemäß und klar wirken soll. Wenn Decke, Wand, Boden und Möbel dieselbe Sprache sprechen, entsteht eine manchmal unangenehme Dichte.

Wo Gestaltung Ruhe vermitteln will, entsteht so visuelle Überforderung. Die Atmosphäre wird schwer; das Holz entwickelt eine Präsenz, die sich in den Vordergrund schiebt entgegen der ursprünglichen Intention. Das gilt besonders für Hotels, in denen Räume wiederholt, von unterschiedlichen Menschen und zu wechselnden Tageszeiten wahrgenommen werden.

Wer Alternativen zum überrepräsentierten Holz sucht, denkt schnell an neue Wandgestaltung. Nicht als Dekor, sondern als gestalterisches Feld mit klarer Aufgabe.

Key Facts

  • Tapeten übernehmen im Hotel eine kommentierende Funktion
     
  • Sie wirken als Gegengewicht zu Holz und Textilien        

  • Maßstab, Rapport und Motivdichte sind entscheidend

  • Motive, Farben, Gestaltung schaffen Atmosphäre
       
  • Referenzrahmen: Das Liebener, Obergurgl
Fragen? Schreiben Sie uns!
adobestock_775148564.jpg

Die Herausforderung

Wandgestaltung im Hotel

Hotelräume funktionieren anders als private Wohnräume. Sie werden kürzer genutzt, müssen aber langfristig bestehen. Sie sollen zugänglich sein, ohne banal zu wirken, und Orientierung geben, ohne Aufmerksamkeit einzufordern.

Was im privaten Kontext individuell erscheint, nutzt sich im Hotel bei Wiederholung ab. Was zu Hause Charakter zeigt, kann im Hotel zur Belastung werden.

Hinzu kommt die Gleichzeitigkeit der Wahrnehmung: Gäste betreten Räume mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Erwartungen und Stimmungen. Gestaltung muss all dem gerecht werden – leise, präzise, dauerhaft.

Im Hotel stellt sich daher immer die Frage:

Welche Fläche prägt die Atmosphäre?
W
elche Fläche tritt zurück und schafft Ruhe?

Tapeten sind kein dekoratives Add-on. Sie sind ein Mittel, um diese Rangfolge bewusst herzustellen. Voraussetzung ist eine gezielte Platzierung nach gestalterischen Kriterien – nicht nach Geschmack oder Trend.

Das Liebener

Im Das Liebener sehen wir Tapeten im alpinen Hotelkontext. Die Wahl fiel auf grafische Tapeten ohne florale Muster oder Verzierungen. Es sind strukturgebende Elemente, die das Interieur prägen ohne es zu dominieren.

Die Tapeten markieren den Schlafbereich, schaffen so eine deutliche visuelle Orientierung und bilden ein Gegengewicht zur materialstarken Umgebung. Einr gestalterisch kluge Entscheidung, um dem Raum Klarheit zu schenken.

Erkenntnis: Tapeten im Hotel sind erfolgreich, wenn sie Teil eines Gesamtkonzepts sind.

Fragen? Schreiben Sie uns!
Blick durch einen Türrahmen auf ein Doppelbett mit hohem gepolstertem Kopfteil; zwei Pendelleuchten links und rechts; Wandmotiv mit abstrakten Formen hinter dem Bett; Holzboden

Was Wände leisten können

Wände im Hotel übernehmen konkrete Aufgaben. Ein häufiger Denkfehler liegt darin, Wandgestaltung flächenhaft zu denken, statt sie als räumliches Leitsystem zu begreifen. Das Ambiente eines Raums entsteht auch durch Verteilung und Gewichtung.

Tapeten entfalten ihre Stärke dort, wo sie bewusst positioniert werden: als ruhiger Hintergrund im Spa, als Gegenpol zu materialstarken Zonen in der Lobby, als Fläche, die dem Raum Struktur gibt. Eine gut gesetzte Tapetenwand ordnet, während andere Flächen zurücktreten.

Fragen? Schreiben Sie uns!
adobestock_860756168.jpeg

Diese Differenzierung ist im Hotel essenziell. Räume sollen Orientierung geben, ohne inszeniert zu wirken. Eine Wand darf Akzente setzen – nicht alle müssen es tun. Tapeten helfen dabei, Aufmerksamkeit zu lenken: weg von Materialvielfalt, hin zu Klarheit im Raumgefüge.

So verstanden sind Tapeten kein Stilmittel, sondern Teil einer räumlichen Logik. Sie beeinflussen maßgeblich, wie ein Raum gelesen wird.

.

Tapete als Gegengewicht

Tapeten setzen sich in Beziehung zur Gesamtgestaltung. 2026 sind grafische Designs neu: Linien, Raster, abstrahierte Formen, Wiederholungen mit ordnender Wirkung.

Zusammen mit Holz entsteht ein Spannungsfeld. Holz ist visuell stark, haptisch präsent und wirkt substanziell. Eine Tapete kann eine andere Ebene hinzufügen: etwa durch überraschende Motive oder bewusste Irritationen, wie ein großflächig eingesetztes Einzelmotiv.

Materialität auf der einen Seite, grafische Klarheit auf der anderen. Beides steht in Beziehung, nicht in Konkurrenz.

Fragen? Schreiben Sie uns!
Chaiselongue vor Wand mit Leuchten und Tapete mit Palmenmotiv

Maßstab, Rapport, Motivdichte

die Stellschrauben

Ob eine Tapete im Hotel funktioniert, entscheidet sich nicht allein am Motiv.
Maßstab, Rapport und Motivdichte sind entscheidend.

Der Maßstab ist zentral

Große Rapporte wirken großzügig, können aber auch Raumwirkung verändern. Kleine Muster erzeugen visuelle Aktivität, die sich schnell erschöpft. Was auf der Musterbahn überzeugt, muss an der Wand neu bewertet werden.

Maßstab und Wiederholung sind im Hotel kritisch. Ein Muster, das im Wohnraum funktioniert, kann im Hotel zu speziell sein. Starke Motive bergen ein Risiko: Sie bleiben im Gedächtnis und altern sichtbar. Gäste erinnern sich, wenn sie dasselbe Motiv über Jahre hinweg wiedersehen.

Fragen? Schreiben Sie uns!
adobestock_1611416389.jpg

Rapport im Raum

Grundsätzlich gilt: Je größer der Raum, desto größer sollte der Rapport sein.

Großzügige Wiederholungen wirken ruhiger, denn sie transportieren weniger Information pro Fläche. Kleine Muster erzeugen ein visuelles Grundrauschen, das im Hotel selten erwünscht ist.

Fragen? Schreiben Sie uns!
adobestock_1334477237.jpg

Motivdichte & Farbwahl

Auch die Motivdichte ist entscheidend. Tapeten müssen keine Bilder sein. Der Abstand zwischen Motiven im Rapport ist essenziell: zu dicht wirkt unruhig, zu weit verliert Zusammenhang.

In der Farbwahl bewähren sich im alpinen Hotelkontext gebrochene, zurückhaltende Töne. Die Motive dürfen sprechen, die Farben bleiben leise und knüpfen an andere Elemente im Raum an.

Fragen? Schreiben Sie uns!
dsc8403_2.jpg

Balance und Humor

Die entscheidende Frage lautet nicht: Holz oder Tapete. Viel wichtiger ist: Wie werden Materialien gewichtet?

Holz entfaltet seine Wirkung am stärksten, wenn es nicht alle Aufgaben übernimmt. Tapeten besetzen andere Flächen. Sie strukturieren, zonieren, öffnen Räume gedanklich.

Im Zusammenspiel entsteht Balance: Holz gibt Tiefe und Materialität. Tapeten setzen Kontraste, schaffen Bezüge und erweitern den Raum.

Dabei ist Humor ein unterschätztes Gestaltungsmittel. Nicht als Witz, sondern als feine Irritation. Eine grafische Tapete kann genau das leisten: Sie fällt auf, kommentiert Nutzung und verleiht dem Raum Leichtigkeit.

Gerade im alpinen Hotelkontext sind Erwartungen oft konventionell. Qualität und Ruhe werden vorausgesetzt. Wer sich abheben will, wiederholt nicht Bekanntes, sondern verschiebt es. Eine Tapete mit augenzwinkerndem Motiv setzt einen Kontrast zur traditionellen Materialwelt und erweitert deren Lesart.

Tapeten zuhause

Gestaltung im Hotel lässt sich nicht eins zu eins auf privates Wohnen übertragen. Neben gesetzlichen und technischen Anforderungen unterscheiden sich auch Nutzung und Wahrnehmung. Dennoch stehen im privaten Kontext ähnliche gestalterische Werkzeuge zur Verfügung.

Auch zu Hause wirken Tapeten dann am stärksten, wenn sie mehr leisten als Dekoration: als grafische Fläche oder als bewusster Gegenpol zu Holz, Stoffen und Möbeln.

Fragen? Schreiben Sie uns!
adobestock_1460118498.jpeg

Im privaten Wohnen stellt sich eine sehr persönliche Frage: Wie lange möchte man ein Motiv täglich sehen? Besonders bei großformatigen Motiven lohnt Zurückhaltung – auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Maßstab, Motivdichte und Farbton sind die zentralen Parameter. Zurückhaltung ist oft klug, darf aber nicht in Beliebigkeit kippen. Professionelle Beratung hilft, Wirkung früh einzuschätzen und Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Mehr zum Thema „Tapeten im privaten Wohnen", zu typischen Fehlern und zur Frage, warum Tapeten auch zu Hause eher strukturieren als akzentuieren sollten, folgt in einem der nächsten Blogartikel.

.

Interessantes Thema?

Lesen Sie mehr dazu in den folgenden Blogartikeln:

home_interior_2023_luxury_chalets_plaza_alpenhotel_plaza_st._ulricht_suedtirol_c_alex_moling_2560px_96dpi007_quadr_1.jpg
Die Logik des Ortes: Innen & Außen im Dialog

Wie beeinflusst die Lage die Gestaltung von Räumen: Infos, Tipps und Beispiele vom Experten, wie Innen und Außen in einen Dialog treten. ►

Online seit 12.12.2025
Modern interpretiertes Schlafzimmer mit Natursteinwand, Holzpaneelen und stimmungsvoller Beleuchtung
Innenarchitektur: 5 Schritte im Planungsprozess für privates Wohnen

Professionelle Innenarchitektur für privates Wohnen ✓ Fünf Planungsphasen ✓ Maßgeschneiderte Konzepte ✓ Jetzt Erstberatung vereinbaren!

Online seit 30.09.2025
spa_5471_beschn.jpg
Soft Modern: Der neue Purismus im Interior Design

Reduktion mit Atmosphäre: Soft Modern verbindet klare Linien, warme Materialien und stille Gestaltung – ein Interior-Trend mit Haltung und Tiefgang. ✓

Online seit 30.06.2025

Fazit

Tapete als gestalterisches Werkzeug

Tapeten sind 2026 kein kurzfristiges Stilmittel, sondern ein Werkzeug der Raumgestaltung. Richtig eingesetzt, strukturieren sie Räume, schaffen visuelle Ordnung und entlasten materialstarke Elemente.

Sie sind kein Dekor, auch wenn sie oft so gelesen werden.

Als Teil der Innenarchitektur übernehmen sie eine Aufgabe: Sie ordnen, kommentieren und schaffen Balance.

Im Design Center in Mils zeigen wir, wie Tapeten im Zusammenspiel mit Holz, Textilien und Licht funktionieren – nicht auf der Musterbahn, sondern als räumliche Inszenierung.

Teresa Gruber

BSc.; Interior Design

Mit ihrem Blick für Texturen, Farben und die feine Balance zwischen Funktion und Design begleitet sie Raumgestaltungen in unterschiedlichsten Projekten. In ihren Beiträgen teilt sie Einblicke aus der Praxis, Inspirationen aus der Welt des Interior Designs und Tipps für eine durchdachte Planung.

„Gutes Interior Design beginnt für mich dort, wo Materialien auf subtile Art wirken und das Ambiente gestalten.“

ERSTGESPRÄCH MIT TERESA VEREINBAREN
bild2.png

 
Bilder: Manueal Tessaro, Alex Moling, Andreas Wimmer, Adobe Stock, home INTERIOR