• Muster sind ein zentrales Gestaltungselement im Interior Design
• Sie verleihen Räumen Persönlichkeit, Struktur und Wiedererkennung
• Maßstab, Rapport, Motivdichte und Farbkonzept bestimmen ihre Wirkung
• Klare Regeln erleichtern die Kombination mehrerer Muster im Raum
• Auch im Hotelinterior werden Muster wieder gezielt eingesetzt
Zurückhaltung ist vornehm und immer eine sichere Bank. Das gilt fürs Leben, aber auch fürs Interior Design. Seit einiger Zeit erleben wir Interior Design in Hotels ebenso wie in Privatwohnungen, das mit vornehmer Zurückhaltung wunderschöne Räume gestaltet: mit schönen Hölzern, ruhigen Texturen und Farben aus dem direkten Umfeld. Die Landschaft vor der Tür wird dabei oft ins Innere mitgenommen, manchmal sogar wörtlich. Innenräume werden so zu einer Folie für die Natur.
Das hat seine Berechtigung. Und es hat viele gute Räume hervorgebracht. Je mehr und je länger man solche Räume sieht, desto mehr regt sich hier und dort Widerspruch. Eine Gegenbewegung baut sich auf, die subtil eine andere Meinung vertritt. Designerinnen und Designer lösen sich zunehmend von der Idee, dass Innenräume in erster Linie neutral sein müssen, um auf Dauer zu gefallen. Stattdessen wird ein anderes Ziel wichtiger, nämlich: Persönlichkeit zu vermitteln.
Räume sollen wieder etwas erzählen, und sie dürfen Stellung beziehen. Und das ist der Punkt, wo Muster ins Spiel kommen. Ihr Einsatz erfordert echtes Know-how, aber auch Mut und macht viel Spaß. Muster erzeugen sofort Atmosphäre.
Key Facts
Schichten schaffen Tiefe
Ein Raum, der mit mehreren Ebenen arbeitet, wirkt nie flach. Das gilt für die Architektur und genauso für Stoffe. Schwere Vorhänge können neben transparenten Voiles stehen, grobe Bouclés neben glattem Velours. Das Prinzip der Schichtung macht Räume eindeutiger und lesbarer.
Im Peternhof wird genau damit gearbeitet. Pure Unis mit Struktur bilden die Basis, dazu kommen gemusterte Einzelstücke – als Kissen, als Bezugstoff für Möbel, als Wandbespannung. Wichtig dabei: Nicht alles gleichzeitig einsetzen, sondern abgestuft, je nach Funktion und Raumwirkung.
TIPP #01
Eine ruhige, texturierte Grundfläche schafft Freiheit für mutige Akzente und funktioniert wie eine Bühne oder ein Rahmen. Das stellt auch sicher, dass der Raum nicht an Klarheit verliert.
Muster mit Maß
Florale Dessins, geometrische Linien, klassische Webmuster – kann man das alles mischen? Ja, man muss allerdings Maß halten. Der entscheidende Punkt ist nicht die Art des Musters, sondern wie es in Beziehung zu den anderen Mustern wirkt. Wer mit verschiedenen Mustern arbeitet, sollte auf Größenverhältnisse achten: Kleine Motive wirken als Streuung, große Muster setzen ein Statement.
TIPP #02
Drei Muster pro Raum sollten nicht überschritten werden. Dabei auch eine Hierarchie etablieren, z. B. mithilfe der Mustergröße oder der Farbpräsenz.
Muster & Materialien
Muster allein erzählen noch wenig. Erst zusammen mit dem Material entsteht eine Gesamtaussage. So wirkt Samt selbst als Uni dramatisch. Leinen kann ein Muster rustikaler oder eleganter erscheinen lassen – je nach Bindung und Garnstärke. Und glänzende Stoffe reflektieren Licht. Es kommt also eine weitere Dimension der Erzählung hinzu.
Stoffe wirken nicht für sich allein. Ihre Anmutung verändert sich mit jedem Nachbarn. Gut gemacht zeigt sich: Steht z. B. ein grober Wollstoff neben einem leicht schimmernden Jacquard, kann das durchaus funktionieren, wenn beide ein ähnliches Niveau an Qualität und Wirkung mitbringen.
TIPP #03
Gegensätze funktionieren, wenn sie einander ernst nehmen und nicht gegeneinander arbeiten. Betrachten Sie starke Muster wie eine Persönlichkeit und suchen Sie nach einem perfekten Partner dafür. (Wie sonst auch im Leben.)
Vom Hotel direkt nach Hause
Was in der Hotellerie funktioniert, lässt sich als Inspiration fürs private Wohnen verwenden.
Der Trick ist: Man kann zwar die gleichen Muster einfach auch zu Hause einsetzen, aber wichtiger ist auf jeden Fall zu verstehen, wie das Zusammenspiel funktioniert: Es geht eben nicht um Gleichklang, sondern um kluge Kombinationen.
Ein Sofa mit Struktur, ein Vorhang mit Muster, ein Teppich mit organisch geformten Farbfeldern. Schon drei Elemente reichen, um einem Raum Spannung und Charakter zu geben. Entscheidend ist, wie sie miteinander arbeiten und nicht, wie ähnlich sie sind.
TIPP #04
Muster nie einzeln betrachten. Immer in Kombination mit anderen Mustern und vor allem Materialien prüfen – bei Tageslicht, im Raum, in Bewegung. Eventuell ein Moodboard erstellen. Oder ins Design Center kommen, wo ein Beratungsteam dabei helfen kann.
INTERIOR INSIGHTS
FÜNF REGELN FÜR MUSTERVIELFALT
- Farbwelt definieren
Ein verbindender Farbklang gibt Halt. Es geht nicht um eine Ton-in-Ton-Welt, sondern eher um die Grundsatzentscheidung, wie klar, gedämpft, gelb- oder rotstichig die Farbpalette sein soll. Farben aus der gleichen Familie mögen einander, da kann das Muster gern unterschiedlich sein. - Maßstab variieren
Klein, mittel, groß – nicht alles im selben Rhythmus. Dies gilt über die Produktgrenzen hinaus. So kann eine Tapete mit riesigen, stilisierten Blüten mit einem fein gestreiften Vorhang harmonieren, während das Sofa eine Micromusterung zeigt. - Struktur mitdenken
Oberflächen sagen mehr als Farben. Manche Strukturen sind so ausgeprägt, dass die Oberfläche gemustert wirkt. Bei der Gesamtkonzeption unbedingt mitdenken, sonst ist plötzlich ein weiterer Mitspieler im Raum, der möglicherweise Unruhe stiftet. - Unterschiedliche Textilarten wählen
Nicht alles in derselben Bindung, nicht alles aus demselben Garn. Eigentlich DER Tipp für monochrome Gestaltung, der aber auch für Muster gilt. Eben, weil auch Bindungen Textilien mustern können und dann ins Spiel um die Dominanz im Raum einsteigen. - Pausen einplanen
Ein starker Stoff braucht auch leise Nachbarn. Je stärker und spannender ein Muster, desto mehr sehnt sich das Auge nach Ruhe. Stille, unifarbene Flächen und Materialien – oft Holz, Marmor, Beton – die einen Rahmen geben und alles zusammenhalten.
Fazit
Subtil aufgebaute Spannung zwischen Mustern, Farben und Materialien macht Räume charakterstark und interessant.
Tapete, Stoff und Polster sind Medien. Sie tragen Muster, erzeugen Nähe oder Distanz und beeinflussen Akustik und Haptik. Die eigentliche Wirkung entsteht nicht durch das Material an sich, sondern wenn man sich für ein bestimmtes Muster und seine Platzierung entscheidet.
Gerade großformatige Muster, wie sie heute häufig auf Tapeten eingesetzt werden, zeigen das deutlich. Ihre Stärke ist der Maßstab, weniger das Material. Richtig eingesetzt, geben sie Räumen Identität und Tiefe.
Mut, der sich auszahlt. Dass in immer mehr Projekten stark mit Mustern gearbeitet wird, ist Ausdruck einer Entwicklung: Innenräume lösen sich von reiner Neutralität. Sie zeigen Persönlichkeit, erzählen Geschichten, positionieren sich klar. Das erfordert Mut, aber es lohnt sich.
Muster können etwas schaffen, das mit großer Zurückhaltung schwer zu erreichen ist: ein charakterstarkes Ambiente, an das man sich erinnert.
Teresa Gruber
BSc.; Interior Design
Mit ihrem Blick für Texturen, Farben und die feine Balance zwischen Funktion und Design begleitet sie Raumgestaltungen in unterschiedlichsten Projekten. In ihren Beiträgen teilt sie Einblicke aus der Praxis, Inspirationen aus der Welt des Interior Designs und Tipps für eine durchdachte Planung.
„Gutes Interior Design beginnt für mich dort, wo Materialien auf subtile Art wirken und das Ambiente gestalten.“
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Bilder: Hannes C. Niederkofler, Adobe Stock, home INTERIOR, home IMMOBILIEN